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Heuschnupfen nicht ignorieren - moderne Therapien ermöglichen eine deutliche Linderung der Beschwerden

Niesen, juckende Augen, eine verstopfte Nase und Müdigkeit – für viele Menschen beginnt mit der Pollensaison auch die Zeit allergischer Beschwerden. Mit steigenden Temperaturen und der Blüte von Gräsern, Bäumen und Kräutern nimmt die Pollenbelastung deutlich zu. Zusätzlich können Luftschadstoffe die Schleimhäute reizen und die Empfindlichkeit gegenüber Allergenen verstärken, ohne selbst ein Allergen zu sein. Die allergische Rhinokonjunktivitis – umgangssprachlich Heuschnupfen – sollte nicht unterschätzt werden, betont der Facharzt für Hals-, Nasen- und Ohrenheilkunde und Arzt für Allgemeinmedizin Dr. Roland Hartl, Belegarzt an der Privatklinik Kettenbrücke. Moderne diagnostische und therapeutische Möglichkeiten können Beschwerden wirksam lindern und das Risiko von Folgeerkrankungen reduzieren.

Was Heuschnupfen eigentlich ist

„Beim Heuschnupfen handelt es sich um eine immunologisch vermittelte Entzündungsreaktion der Schleimhäute auf eigentlich harmlose Umweltstoffe“, erklärt Dr. Hartl. Auslöser sind meist Pollen von Gräsern, Bäumen oder Kräutern. Grundsätzlich unterscheidet man zwischen saisonalen und ganzjährigen Formen allergischer Erkrankungen der Atemwege, etwa der Pollenallergie oder der Hausstaubmilbenallergie. Typische Beschwerden sind Niesanfälle, Juckreiz in Nase und Augen, eine verstopfte oder laufende Nase mit klarem Sekret sowie tränende Augen. Bei manchen Patient*innen können zusätzlich Husten, Schlafstörungen, verminderte Leistungsfähigkeit oder Symptome der unteren Atemwege auftreten.

Wichtig: exakte Diagnose

Da nicht jede laufende oder verstopfte Nase allergisch bedingt ist, ist eine sorgfältige Abklärung entscheidend. „Die Diagnose stützt sich immer auf die Kombination aus typischen Beschwerden, dem zeitlichen Auftreten der Symptome und gezielten Allergietests“, erklärt Dr. Hartl. Im Rahmen der Untersuchung erfolgt zunächst eine genaue Beurteilung der Nase und der Schleimhäute. Anschließend kann ein Hauttest – der sogenannte Prick-Test – durchgeführt werden. Dabei werden standardisierte Allergene auf die Haut aufgetragen und die Haut oberflächlich angestochen. Eine lokale Hautreaktion spricht für eine Sensibilisierung gegenüber dem jeweiligen Allergen und wird immer gemeinsam mit den klinischen Beschwerden bewertet. „Wichtig ist, dass bestimmte Medikamente – insbesondere Antihistaminika – vor dem Test rechtzeitig pausiert werden, da sie das Ergebnis beeinflussen können“, so Dr. Hartl. Ergänzend können in ausgewählten Fällen auch Blutuntersuchungen sinnvoll sein.

Wirksame Maßnahmen im Alltag

„Ein wichtiger erster Schritt ist die möglichst konsequente Reduktion der Allergenbelastung“, erklärt Dr. Hartl. Betroffene sollten die aktuelle Pollenflugvorhersage beachten und Aktivitäten im Freien an Tagen mit hoher Belastung möglichst reduzieren. Dafür stehen mittlerweile verschiedene Smartphone-Apps zur Verfügung. Hilfreich sind außerdem das Tragen einer Sonnenbrille, regelmäßiges Haarewaschen am Abend sowie das Wechseln der Kleidung nach Aufenthalten im Freien. Stoßlüften zu pollenarmen Zeiten ist meist sinnvoller als dauerhaft gekippte Fenster. Auch regelmäßiges Staubsaugen und feuchtes Wischen können die Pollenbelastung in Innenräumen reduzieren.

Therapie: Stufenkonzept aus Kontrolle und Ursachenbehandlung

Die Therapie der allergischen Rhinokonjunktivitis folgt einem Stufenkonzept aus Allergenvermeidung, symptomatischer medikamentöser Behandlung und spezifischer Immuntherapie. Ziel ist eine möglichst gute Symptomkontrolle bei gleichzeitig hoher Lebensqualität und geringer Allergenbelastung im Alltag. Zur symptomatischen Behandlung zählen vor allem moderne Antihistaminika, kortisonhaltige Nasensprays sowie antiallergische Augentropfen bei ausgeprägten Augen-Beschwerden. Nasenspülungen mit Kochsalzlösung können die Therapie zusätzlich unterstützen. Die spezifische Immuntherapie – auch Hyposensibilisierung genannt – ist derzeit die einzige ursächliche Behandlungsmöglichkeit bei Heuschnupfen. Ziel ist es, eine langfristige immunologische Toleranz gegenüber den auslösenden Allergenen zu fördern und die überschießende Immunreaktion nachhaltig zu modulieren.

Hyposensibilisierung reduziert Risiko von allergischem Asthma

„Bei geeigneten Patientinnen und Patienten kann die Immuntherapie die Beschwerden langfristig deutlich verbessern und den Bedarf an Medikamenten senken“, erklärt Dr. Hartl. Zusätzlich gibt es Hinweise, dass sich dadurch das Risiko einer sogenannten Etagenausweitung reduzieren lässt – also eines Übergangs von allergischen Beschwerden der oberen Atemwege zu allergischem Asthma. Eine spezifische Immuntherapie ist bereits ab dem 5. Lebensjahr zugelassen. Die Durchführung erfolgt entweder als subkutane Immuntherapie (SCIT) mit regelmäßigen Injektionen in der Ordination oder als sublinguale Immuntherapie (SLIT) in Form von Tropfen oder Tabletten zur selbstständigen Anwendung zu Hause. Beide Therapieformen sind wirksam und wissenschaftlich gut etabliert. Die Behandlungsdauer beträgt in der Regel mindestens drei Jahre. „Welche Therapieform sinnvoll ist, sollte individuell gemeinsam mit den Patientinnen und Patienten entschieden werden“, betont Dr. Hartl. Entscheidend ist, Beschwerden frühzeitig ernst zu nehmen und fachärztlich abklären zu lassen.