Nicht immer sind die Bandscheiben schuld
Neurochirurg Priv.-Doz. Dr. Sebastian Hartmann, PhD über natürliche Degeneration und hartnäckige Rückenbeschwerden
Bandscheiben und Wirbel degenerieren mit zunehmendem Alter – ein natürlicher Prozess, der nicht unbedingt mit erheblichen gesundheitlichen Problemen einhergeht, aber phasenweise Schmerzen auslösen kann. Diese sogenannten unspezifischen Rückenschmerzen betreffen rund 90 Prozent der Menschen im Lauf des Lebens, müssen bei längerer Dauer fachärztlich abgeklärt werden, bedeuten aber in den meisten Fällen nichts Schlimmes, weiß Neurochirurg und Wirbelsäulenspezialist Priv.-Doz. Dr. Sebastian Hartmann, PhD vom Wirbelsäulenzentrum Kettenbrücke. Er erklärt, warum „nicht immer die Bandscheiben schuld sind“.
Meistens ist es nicht die Bandscheibe
„Selbst wenn man auf den Bildern des MRT eine Degeneration der Bandscheiben erkennen kann, heißt das grundsätzlich noch nicht, dass die betreffende Person Rückenschmerzen haben muss“, so Dr. Hartmann. Umgekehrt zeigen unspezifische Rückenschmerzen in den bildgebenden Verfahren keine Schmerz-assoziierten Veränderungen. In nur ca 10-15 % der Fälle ist die kausale Ursache für den Rücken-/Beinschmerz in den gängigen bildgebenden Verfahren (MRT/CT- Untersuchung) ersichtlich, indem beispielsweise ein Bandscheibenvorfall, eine Entzündung, eine Wirbelfraktur oder ein Wirbelgleiten vorliegen.
Erster Schritt Schmerztherapie
Treten Rückenschmerzen auf, so genügt meist in den ersten Tagen die Einnahme eines Schmerzmittels und zum Teil körperliche Schonung, wobei längere Liege-/Steh- und Sitzphasen vermieden werden sollten. Eine ärztliche Abklärung ist notwendig, wenn der Schmerz nach einigen Tagen nicht nachlässt. „Liegen zusätzlich sogenannte „Red Flags“, wie z.B. Lähmungserscheinungen an den Extremitäten bzw. im Intimbereich oder Probleme beim Stuhlgang bzw. Harnlassen etc. vor, sollte eine zeitnahe fachärztliche sowie bildgebende Abklärung erfolgen, beschreibt Dr. Hartmann.
Physiotherapie und Bewegung
Tritt eine Schmerzlinderung bei Patient*innen mit unspezifischen Rückenschmerzen auf, können diese mit einer spezifischen Physiotherapie beginnen. Begleitend führt Dr. Hartmann alle 2-3 Wochen eine Kontrolle durch. „Ganz wichtig: Bei unspezifischem Rückenschmerz ist es nicht sinnvoll, im Bett zu bleiben. Meistens profitieren die Betroffenen von leichter Bewegung“, empfiehlt der Wirbelsäulenspezialist. Patient*innen sollen nicht nur ihren Alltag so gut als möglich weiterführen, gezielte Übungen aus der Physiotherapie und regelmäßige Bewegung bringen nachhaltige Besserung. „Es ist wissenschaftlich erwiesen, dass Sport und Bewegung in Form von dosierter Belastung die beste Langzeittherapie für unspezifischen Rückenschmerz sind“, erklärt Dr. Hartmann. Idealer Einstieg nach Abklingen der Symptome ist Spazieren und Wandern. Krafttraining und Ausdauersport sind ebenso empfehlenswert wie Pilates oder Yoga. Am wichtigsten dabei sind Regelmäßigkeit, die schrittweise Steigerung der Belastung und die Erfahrung, dass der Rücken damit belastbarer wird.
Zuversicht gewinnen, Chronifizierung verhindern
Werden Schmerzphasen über längere Zeit ignoriert und kein ärztlicher Rat gesucht, birgt dies nicht nur das Risiko einer Schmerzchronifizierung, sondern auch das Risiko einer erheblichen psychischen Belastung. „Dauerhafte Schmerzphasen führen oft zu sozialem Rückzug, sodass bei vielen Patient*innen eine Kombination aus Physio-/Psychotherapie sowie eine kontinuierlich ärztliche Verlaufskontrolle im Sinne eines multimodalen Behandlungskonzeptes wichtig erscheinen“, beschreibt Dr. Hartmann. Nach mehreren Wochen durchgehenden Rückenschmerzen ist jedenfalls eine bildgebende Untersuchung sinnvoll, um den hartnäckigen Schmerzen genau auf den Grund zu gehen.
Beste Rahmenbedingungen für Operationen
Ist letztendlich doch ein operativer Eingriff bei einem spezifischen Rückenschmerz notwendig, so sind die Rahmenbedingungen für Patient*innen an der Privatklinik Kettenbrücke optimal. Jede größere Operation führen zwei Fachärzte der Neurochirurgie gemeinsam durch. Der primär behandelnde Arzt betreut seine Patient*innen durchgehend persönlich und kann so bestmöglich auf die individuelle Situation der Betroffenen eingehen. Dank der interdisziplinären Vernetzung in der Innsbrucker Privatklinik werden Patient*innen in allen medizinischen Fragen bestmöglich behandelt und die Nachsorge beginnt mit stationärer Physiotherapie, der ein ambulantes Physio-Programm in der Physiotherapie Kettenbrücke direkt vor Ort folgt. Die ärztliche Begleitung ist ab dem ersten Termin gewährleistet.
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